Alltagsgeschichten

Ein Blog über das Leben in einer franziskanischen Gemeinschaft

Interviews mit dem Leben

Ich bin mit dem Auto auf den Straßen in unserem Erzbistum unterwegs, im Gepäck mein Smartphone und ein paar Seiten mit Interviewfragen. An meinem Ziel angekommen schalte ich den Recorder auf meinem Smartphone ein und dann geht es auch schon los: eine Ordensschwester sitzt vor mir und erzählt aus ihrem Leben. Hin und wieder stelle ich ein paar Fragen, aber hauptsächlich lausche ich gespannt den Worten, die aus einem Leben erzählen, dass von Gott geführt wurde.

Die gerade beschriebene Situation durfte ich in den letzten Wochen häufiger erleben. Im Auftrag des Ordensreferats bin ich kreuz und quer im Erzbistum Bamberg unterwegs und führe Interviews mit Ordensleuten verschiedener Gemeinschaften. Eine spannende Aufgabe. Warum ich das mache? Ziel ist die Entstehung eines Buchs mit Lebensgeschichten von Ordensleuten.

Ich selbst bin ja gerade erst dabei in eine Gemeinschaft hineinzuwachsen und erlebe diesen Weg mit allen Höhen und Tiefen. Wenn ich dann höre, wie es anderen Schwestern und Brüdern auf ihrem Weg erging, tröstet und ermutigt mich das. Niemand hat wirklich einen leichten Weg gehabt. Immer gab es Herausforderungen zu bewältigen, waren Zweifel da und Tiefschläge. Aber das Schöne ist: jede und jeder hat auf ihrem Weg gespürt: Gott ist da in meinem Leben! Er führt mich und schenkt wahres und glückliches Leben. Dieser Gott ist immer für eine Überraschung gut!

Und so gehe ich gestärkt meinen Weg weiter und darf auch bei mir selbst erleben, dass Gott tatsächlich führt und mir Leben in Fülle schenken will.

2. Juli 2020, Postulantin Daniela

Noviziatsschule

Vor kurzem war ich auf Noviziatsschule in Münsterschwarzach. Die Noviziatsschule ist ein Zusammenschluss von evangelischen und katholischen Gemeinschaften, die sich in regelmäßigen Abschnitten treffen um Ausbildungsinhalte gemeinsam zu vertiefen. Das Thema der letzten Ausbildungseinheit war der evangelische Ratschlag der Armut. Was es damit auf sich hat möchte ich euch hier mitgeben.

Mit Armut verbinde ich im ersten Moment einen dauerhaften Mangel in der Befriedigung der Grundbedürfnisse. Das ist ziemlich unattraktiv und als Lebensform für mich nicht erstrebenswert. Hinter dem Begriff Armut versteckt sich bei genauerer Betrachtung noch mehr und das fasst ein Satz aus dem Leitbild von uns Franziskusschwestern für mich gut zusammen: „Wir machen und frei von jeder Form des Festhaltens.“ Hier möchte ich noch ergänzen: Ich übe frei zu werden von jeder Form des Festhaltens.

Für mich ist dieser Satz immer wieder herausfordernd. Denn mal ehrlich: wie oft halten wir an unseren Vorstellungen von der Welt, von Gott fest und wollen uns nicht bewegen. Und doch merke ich, dass sich im sein-lassen so manches Mal ganz ungeahnte kreative Kräfte freisetzen, die mir Leben in Fülle schenken. Dann ist diese Art Armut zu leben für mich eine attraktive Lebenshilfe.

23. Juni 2020, Sr. Magdalena

Kleider machen Leute!?

In unserem Nähzimmer wird fleißig gearbeitet. Da dieses Jahr meine Einkleidung noch auf dem Programm steht, müssen natürlich die passenden Kleider genäht werden. Heute durfte ich ein Kleid schon mal anprobieren. Der Gedanke, zum ersten Mal in meinem Leben ein extra auf mich zugeschnittenes Kleidungsstück zu tragen, brachte mich zum Schmunzeln.

Der Blick in den Spiegel warf bei mir aber auch einige andere Gedanken auf. Warum gehört zum Ordensschwester-Sein eigentlich ein Ordenskleid? Für viele Schwestern ist es ganz selbstverständlich ein Kleid zu tragen. Es gehört dazu und ist ein Zeichen nach außen. Eine Schwester drückt es ganz einfach aus: „Ich will Zeugnis geben von meiner Berufung!“ Eine andere Schwester ist in Bezug auf das Ordenskleid sehr gespalten: „Ich will mit meinem Ordenskleid zeigen, dass mir das wichtig ist einen intensiveren spirituellen Weg zu leben und bin mir gleichzeitig bewusst, dass es so auch oft nicht mehr verstanden wird.“ Deshalb differenziere sie sehr genau zwischen: wo kann sie das Ordenskleid zeigen und wo macht es auch Sinn - und wo werfe sie nur Fragen und Irritationen auf und wird gehindert, weil Menschen damit nichts anfangen könnten.

Diese beiden Statements brachten mich ins Nachdenken. Wie wird das bei mir sein? Werde ich zur Schwester, weil ich ein Kleid trage? Oder braucht es nicht viel mehr? Mir ist bewusst: Ein Kleid macht noch keine Schwester. Aber was dann? Ich möchte es als Wunsch formulieren: Menschen sollten in der Begegnung mit uns eine Tiefe spüren, die sie ins Nachdenken bringt und die ihr Leben bereichert. Das wäre doch ein guter Anfang…

18. Juni 2020, Postulantin Daniela

Pfingsten online

Dieses Jahr war Pfingsten für mich ganz besonders greifbar. Warum? Das möchte ich euch jetzt in diesem Beitrag erzählen.

Angefangen hat alles mit einem Hinweis, den ich auf Instagram entdeckt habe: Pfingstfest in Taizé online. In Taizé lebt eine ökumenische Brüdergemeinschaft. Ihre Hauptaufgaben sind: junge Menschen willkommen zu heißen, ihnen zuzuhören, Gemeinschaft erfahrbar zu machen und so einen von vielen Wegen der Gottesbegegnung offen zu halten.

Aufgrund der Covid19-Pandemie ist es den Brüdern nicht möglich diesen Aufgaben vor Ort nachzukommen. So haben sie Teile von dem, was Taizé ausmacht, kurzer Hand digitalisiert: die Begegnung mit Menschen aus unterschiedlichsten kulturellen Hintergründen und das gemeinsame Suchen und Fragen nach Gott. Dadurch hatte ich die Möglichkeit, mich mit Menschen aus aller Welt in einem virtuellen Obergemach zu treffen. Fast so, wie die Jüngerinnen und Jünger damals.

An Pfingsten haben die Apostel nach dem Empfang der Geistkraft in allen Sprachen davon erzählt, was sie mit Jesus erlebt haben. In der Gruppe haben wir zwar nicht in allen Sprachen gesprochen, aber uns auf Englisch vor dem je eigenen persönlichen und kulturellen Hintergrund darüber ausgetauscht, wie wir Gottes Geist im Alltag erfahren.

Für mich war das ein sehr bewegende und berührende Gesprächsrunde. Ich durfte Gottes Geist in der Gruppe durch Worte des Zuspruchs, in einem Lächeln und durch Fragen, die mich und meine Sicht auf die Welt in Frage stellen erfahren. Darüber hinaus ist mir der Geist Gottes schon an so manchem unerwarteten Ort entgegengekommen.

Bestimmt gibt es auch in deinem Alltag Momente, in denen dir die Geistkraft schon begegnet ist. Hab Mut und halte Augen und Herz offen!

8. Juni 2020, Sr. Magdalena

Paula, Susi und Emily

Wer sich beim Lesen der Überschrift gerade gefragt hat, ob es in Vierzehnheiligen drei Schwestern gibt, die Paula, Susi und Emily heißen, den muss ich leider enttäuschen. Die drei Namen gehören vielmehr unseren drei hübschen Hühnerdamen. Seit fast einem Jahr leben sie nun schon im Garten unseres Mutterhauses und bieten viel Gesprächsstoff für unsere Gemeinschaft. Außerdem werden wir täglich mit frischen Eiern belohnt - da weiß man, was man isst!

Franziskanische Spiritualität betont auch die Liebe zur Natur und zu den Geschöpfen. Für Franziskus war klar: in allem Geschaffenen schimmert das Göttliche durch.

Haus und Hoftiere setzen besondere Akzente in unserem Leben und tragen nachweislich zur Steigerung des Wohlbefindens bei. Mir tut es gut, wenn ich mich nach einem arbeitsreichen Tag in unser Hühnergehege setze und den drei einfach nur zuschaue oder ihnen über ihr weiches Federkleid streiche. 

Wie gut wäre es, wenn der franziskanische Gedanke, dass Tiere unsere Geschwister sind, in den Köpfen all jener Menschen ankäme, die für industrielle Massentierhaltung verantwortlich sind!

28. Mai 2020, Postulantin Daniela

Wohnungssegnung

Franziskanisch unterwegs zu sein bedeutet für mich im Aufbruch zu leben und im Unerwarteten Gott zu begegnen. Um sich immer wieder neu auf den Weg machen zu können braucht es auch eine feste Basis. Für mich ist das zum einen das Verwurzelt-sein in Gott, das sich z.B. in meinem Gebetsleben ausdrückt und ganz konkret auch die Verankerung an einem Wohnort an dem ich neue Kraft schöpfen kann.

Nach einer längeren Phase von Umbau- und Renovierungsarbeiten haben wir uns als Ausbildungskonvent in Nürnberg niedergelassen. Am Beginn dieses neuen Abschnitts war es uns wichtig Gott um seinen Segen für die neuen Räume zu bitten in denen wir Brot und Leben miteinander teilen.

So haben wir am Sonntagnachmittag in einer liturgischen Feier Gottes Segen für uns und alle, die zu uns kommen erbeten. Danach haben wir bei Kaffee und Kuchen den Einzug gebührend gefeiert und den Tag in schwesterlicher Gemeinschaft ausklingen lassen.

17. Mai 2020, Sr. Magdalena

"Wenn es dir gut tut, dann komm!"

(Franz von Assisi)