Loslassen

Wenn ich mir das Bild anschaue, kommt mir sofort die Erinnerung an meine eigene Kindheit. Lange habe ich das Rad fahren geübt. Zuerst mit Hilfe von Stützrädern. Dann kam der große Tag. Die Stützräder wurden entfernt. Mir wurde zugetraut, dass ich jetzt ohne fremde Hilfe Rad fahren kann. Etwas mulmig war mir schon im Magen. Würde ich das schaffen? Was, wenn ich plötzlich hinfalle?

In solch einer Situation befinden sich auch die Jünger am Himmelfahrtstag. Was haben sie nicht alles erlebt und durchgemacht mit diesem Jesus. Als sie zusammen über den See fuhren und ein kräftiger Sturm aufzog – da war Jesus bei ihnen und alles wurde gut. Als sie einen Gelähmten herbeibrachten – da sprach Jesus mit ihm und er wurde wieder vollkommen gesund. Als die Schriftgelehrten und Pharisäer anfingen mit Jesus zu streiten – da fand er genau die richtigen Worte und sie wussten nichts mehr zu erwidern. Selbst als die schrecklichen Ereignisse in Jerusalem über sie hereinbrachen und sie dachten, alles wäre aus – da erschien ihnen plötzlich Jesus nach drei Tagen und verwandelte ihre bleierne Traurigkeit in überfließende Freude.

Jetzt aber, da wollte sich Jesus doch allen Ernstes für immer von ihnen verabschieden. Wie sollen sie denn nun zurechtkommen? Können sie das schaffen?

Nun sind wir wieder bei dem Bild angekommen. Das Kind auf dem Fahrrad stellt sich nämlich genau diese Fragen: Werde ich das schaffen? Kann ich einfach so loslassen? Kommt mir jemand zu Hilfe, wenn ich hinfalle?

Mut und Vertrauen – das sind die Eigenschaften, die den kleinen Jungen auf dem Rad kennzeichnen und die den Impuls zum Loslassen geben. Genau dieses Empfinden müssen auch die Jünger damals gehabt haben, sonst hätten sie Jesus niemals loslassen können. Jesus traut ihnen etwas zu: „Ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde“ (Apg 1,8). Jesus sichert ihnen außerdem seinen Beistand zu: „Ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch herabkommen wird“.

Wenn der kleine Junge einmal mit dem Rad hinfallen sollte – wird dann nicht sofort der Vater herbeieilen und ihm helfen? Natürlich wird er das! Also lassen wir unsere Ängste, unser Misstrauen und unsere Unsicherheiten los.

Denn das ist die Botschaft von Christi Himmelfahrt: Seid mutig und geht mit Vertrauen euren Weg! Ihr habt die Kraft dazu! Ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt!

Daniela Weitzel, Postulantin

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"Wenn es dir gut tut, dann komm!"

(Franz von Assisi)