Unsere Schwestern aus Peru berichten

Am 15. März 2020 erklärte Präsident Martin Vizcarra den nationalen Notstand, um das Vordringen des neuen Coronavirus (COVID-19) einzudämmen. Seit dem 1. Juli gilt die Quarantäne nur noch für Bewohner von sieben Regionen, in denen sich die Pandemie ausbreitet: Arequipa, Ica, Junín, Huánuco, San Martín, Madre de Dios und Áncash.

Diese neue Krankheit (COVID-19) hat auf drastische und direkte Weise die schreckliche sanitäre Situation Perus offenbart und andere Wahrheiten ans Licht gebracht, wie z.B. die Rolle der Industrie und der Gesellschaft bei der Verschmutzung der Flüsse, Seen und Meere, die Gleichgültigkeit in der Gesellschaft. Die Globalisierung bekommt eine neue Bedeutung. Jeden Tag wissen wir, wie viele neue Fälle von Coronaviren es gibt und wie viele Tote. Wir haben auch positive Auswirkungen gesehen, wie z.B. den großen Einfluss auf den Rückgang der Umweltverschmutzung, freiere Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum und in von Menschen bewohnten Gebieten, sauberere und dekontaminierte Flüsse, einen klareren Himmel, mehr Familienleben, weniger Unfälle und mehr Zeit zum Nachdenken.

Doch durch die Quarantäne konnten und können Menschen nicht ihrer Arbeit nachgehen. Das hat zur Folge, dass die Armut und auch der Hunger steigen. Die Menschen haben keine Ersparnisse und Vorratshaltung ist für viele schwierig, weil sie keine Kühlmöglichkeiten in den Wohnungen haben. Die Infektionsrate ist trotz der frühzeitig eingeleiteten Maßnahmen hoch und die Kliniken sind an ihre Kapazitätsgrenzen gekommen. Die Not wird täglich größer, trotz aller Bemühungen der Regierung. Sr. Beatriz schreibt: „Uns als Peruaner wurden nicht unsere Gewinne gekürzt, nicht was übrig war, fällt weg - uns hier geht es um die Existenz, es geht ums Überleben.“

Die Regierung ordnete bis Ende des Schuljahres (d.h. bis Dezember) an, keinen Präsenzunterricht anzubieten. Das bedeutet auch für unsere Schulen, auf Online-Unterricht umzustellen. Online-Unterricht, Vorgaben zur Hygiene, die Angst vor Ansteckung sind nur einige Herausforderungen, denen sich unsere Mitschwestern zusammen mit den Mitarbeitenden stellen. So ist zum Beispiel Sr. Carmela seit Beginn des Online-Unterrichts im Kinderheim in Huánuco stärker gefordert, da es im Haus mehrere schulpflichtige Kinder gibt, die Aufmerksamkeit, Hingabe und Hilfe für den Unterricht und die Hausaufgaben benötigen.

Sr. Magdalena, die Schulleiterin der Staatlichen Schule „101 Shuji Kitamura“, kommuniziert über Internet und per Handy mit dem Personal um den Online-Unterricht für die 2000 Schülerinnen und Schüler zu koordinieren und organisieren. Neben der Schule ist Sr. Magdalena auch für die Leitung des Bildungsnetzwerks im Stadtteil Santa Anita zuständig.

Unsere eigenen Schulen in Lima und Huánuco sind Privatschulen. Diese stehen unter staatlicher Aufsicht und setzen selbstverständlich ebenso alle Vorgaben um. Da aber die staatliche Unterstützung in der Corona-Zeit für Schüler der Privatschulen nicht greift, haben mehrere unserer Schüler das Angebot des Staates genutzt, auf dessen Schulen zu wechseln.

Für unsere Mitschwestern in den Schulleitungen galt und gilt es, diese Herausforderungen zu meistern. Es mussten Gespräche geführt werden mit den zuständigen Stellen, mit dem Lehrerkollegium und der Elternschaft. Daraus ergaben sich für jede Schule andere Bedürfnisse und notwendige Reaktionen. Alle Lehrer mussten im Umgang mit den technologischen Mitteln geschult werden, um online zu unterrichten. Für viele war es schwierig, aber sie sind dabei, sich an die neue Normalität anzupassen.

Unser Exerzitienhaus "Alvernia" in Cieneguilla mussten wir schließen. Das bedeutet, dass die Gruppen, die das Haus schon reserviert hatten, das Geld zurückerhielten und unser Personal nach Hause geschickt werden musste. Wann das Exerzitienhaus wieder geöffnet und wieder Personal angestellt werden kann, ist noch offen. Im April erhielten die Schwestern des Konvents einen schon zubereiteten Brotteig gespendet. Dazu kam noch die Spende von Gasballons und eines elektrischen Ofens. So begannen die Schwestern, selbst Brot zu backen, um es an bedürftige Familien zu verteilen. Mit dem Brot teilten sie auch Produkte aus eigenem Anbau wie Zitronen und Pflaumen aus. Mit jeder Tüte Brot gaben die Schwestern einen Segen und beteten, dass diese kleine Geste das Gesicht Jesu, der das Brot teilt, in den Herzen der Menschen lebendig halten möge.

Mit Beginn der Quarantäne wurde unsere Poliklinik in Lima geschlossen. Es ist notwendig, den Menschen diesen Dienst wieder anzubieten. Daher wurde daran gearbeitet, die  Anforderungen des Gesundheitsministeriums zu erfüllen. Das Personal, das wieder an die Arbeit zurückkehren wird, hat bereits den Covid-19-Test, eine Grundvoraussetzung, absolviert und wurde in den Präventionsprotokollen entsprechend ihrer Arbeit geschult. Alles ist bereit. Aber es gibt noch kein genaues Datum für die Wiedereröffnung, da die entsprechende Genehmigung abgewartet wird. Die Behandlung wird im Bereich der Allgemeinmedizin und der Hilfsdienste (Behandlungsraum, Labor, Röntgen) liegen.

Ebenso geschlossen ist das Comedor, der Speisesaal für die Kinder. Ihre Familien bekommen Lebensmittelpakete.

Die Schwestern bemühen sich in allen unseren Einrichtungen um Lösungen, die den Menschen gerecht werden. So erhalten die vielen, die an unsere Konvente kommen, Lebensmittel-Pakete. Unsere Regionalleiterin Sr. Fanny schreibt: „Wir kümmern uns weiterhin um all die Menschen, die auf der Suche nach einem Teller Essen sind, und wir geben dank der Spenden, die uns zugesandt werden, auch denen, die es benötigen, Lebensmittel.“ Eine große Freude für uns ist, dass wir Spenden von verschiedenen Personen, Bekannten der Schwestern und Wohltätern, die der Kongregation nahe stehen, erhalten. Diese werden zu 100% für die Dienste an den bedürftigen Menschen aufgewandt. Lebensmittelpakete, Mietzuschüsse, Finanzierung von medizinischer Hilfe sind nur einige Projekte, die durch die Spenden möglich sind. Schwester Fanny schreibt stellvertretend: „Danken wir Gott für diese Menschen mit großzügigen und unterstützenden Herzen, die sensibel für die Situation so vieler Menschen sind, die Hilfe und Nächstenliebe brauchen, und bitten wir Gott um seinen Segen für sie und ihre Familien.“

Eines der aktuellen Projekte unserer Mitschwestern in Peru ist es, den Schülerinnen und Schülern aus bedürftigen Familien den Zugang zum Online-Unterricht zu ermöglichen. Schüler der staatlichen Schulen erhalten dazu von der Regierung entsprechende Endgeräte zur Verfügung gestellt. Unsere Schulen sind Privatschulen. Etliche unserer Schülerinnen und Schüler kommen aus bedürftigen Familien. Ihre Schulkosten sind zwar durch Patenschaften getragen, aber einen Laptop besitzen sie nicht. Bildung ist jedoch die einzige Chance, ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen. Deshalb unterstützen wir die Familien, ein Endgerät zu erhalten, mit dem die Kinder wieder am Unterricht teilnehmen können.

 

Mit Ihrer Spende und Ihrem Gebet unterstützen Sie diese kleinen, aber so wichtigen Schritte, mit denen wir vor Ort Menschen in Peru helfen.

Vergelt’s Gott!


Bankverbindung:
Franziskusschwestern von Vierzehnheiligen
IBAN: DE87 7509 0300 0009 0085 00
Liga Bamberg
Kennwort:    Corona-Hilfe Peru

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Projekte im Detail:

Autor: Sr. Fanny Terán und Sr. Katharina Horn2020-07-17

"Wenn es dir gut tut, dann komm!"

(Franz von Assisi)