Nachruf für Sr. M. Edeltraud Rieder

 „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, 
das habt ihr für mich getan.

Mt 25,40

 

Sr. M. Edeltraud wurde am 30.06.1929 in Reichersdorf / Lkr. Landshut als achtes Kind von neun Geschwistern geboren und auf den Namen Maria getauft. Ihre Erstkommunion feierte Maria wenige Monate vor Kriegsbeginn. Vater und Brüder wurden eingezogen, einer der Brüder kam nicht mehr zurück. Nach Beendigung der Landwirtschaftlichen Berufsschule im März 1945 blieb Maria deshalb auf dem elterlichen Hof und half dort elf Jahre. Im November 1956 ging sie nach Münchshöfen in Stellung und lernte dort die Franziskusschwestern näher kennen. Sie hatte die Schwestern schon im Blick: in Reichersdorf gab es mehrere junge Frauen, die in Vierzehnheiligen eingetreten waren – u.a. die drei Hagl-Geschwister Sr. Clara, Sr. Christiana und Sr. Felizitas. Es verging kein Jahr, und Maria bewarb sich in Vierzehnheiligen. Am 15.10.1957 wurde Maria in die Kongregation aufgenommen. Noch als Kandidatin erlernte sie die Krankenpflege. Am 01. Oktober 1960 wurde Maria mit zwölf weiteren Postulantinnen eingekleidet und erhielt den Namen Sr. Edeltraud. 

Zwei Wochen nach Ablegung der Ersten Profess am 02.10.1961 kam Sr. Edeltraud nach einem Praxisjahr im Waldkrankenhaus nach Rosenheim. Dort wirkte sie 14 Jahre im ambulanten Pflegedienst und trug Konventsverantwortung. Danach folgten fünf Jahre in der ambulanten Krankenpflege in München. Nach weiteren drei Jahren im Pflegebereich des Mutterhauses kam Sr. Edeltraud am 02. Mai 1984 wieder nach München-Ramersdorf – und fasste Wurzeln. 35 Jahre lang war Sr. Edeltraud das „Herz im Krankenpflegeverein“ – der ruhende Pol im Alltagstrubel. Zu ihren Patienten fuhr sie mit dem Fahrrad, bei jedem Wetter. Lag der Schnee zu hoch, ging sie die Strecken zu Fuß. Die Patientinnen und Patienten mochten Sr. Edeltraud. Die stille Zufriedenheit, die sie ausstrahlte, die absolute Verlässlichkeit und die Ruhe, die von ihr ausging, tat allen gut. Daheim im Konvent hatte sie einen Blick fürs Notwendige und verwöhnte ihre Mitschwestern mit ihrer Kochkunst. Insgesamt zehn Jahre war sie in München-Ramersdorf nochmal Konventsleiterin. Auch für die Mitarbeitenden in der Pflege war Sr. Edeltraud da, hörte zu und spürte intuitiv, wo sie gebraucht wurde. 

Nach Auflösung des Hauskrankenpflegevereins Ende 2012 blieb Sr. Edeltraud ihren Patientinnen ehrenamtlich treu, bis schließlich im Sommer 2019 auch der Konvent aufgelöst wurde. Mit Sr. Mechthild zusammen zog Sr. Edeltraud Ende Juli 2019 nach Bad Feilnbach um. An Sr. Mechthilds Seite gelang nach 35 Jahren in Ramersdorf ein gutes Eingewöhnen in die neue Umgebung. Trotz zunehmender Sehschwäche blieb Sr. Edeltraud gleichbleibend freundlich und zugewandt. Nie war ein lautes Wort von ihr zu hören. Nie war erkennbar, wenn sie selbst etwas Schweres auf dem Herzen trug. Der stille Friede, der von ihr ausging, ließ ahnen, wie groß ihre Gottverbundenheit war.

Nach einem Sturz im Herbst 2024 kam Sr. Edeltraud in den Pflegebereich des Mutterhauses. Es dauerte eine Weile, bis die Umstellung gelang – erstmals in einem Großkonvent, angewiesen auf Pflege von Angestellten, die sie nicht kannte. Doch nach einigen Monaten konnte sich Sr. Edeltraud einfinden. Die Schwestern im Pflegebereich und die Mitschwestern waren gern in ihrer Nähe und nahmen wohltuend wahr, wieviel Frieden von ihr ausging. 

In den letzten Wochen wurde Sr. Edeltraud zunehmend schwächer. Sie war schließlich bettlägerig und aß immer weniger, blieb aber wach und orientiert. Ende Dezember war erkennbar, dass sie unterwegs ist in die Ewigkeit. Am Abend des 09. Januar schlief Sr. Edeltraud ein, fast unbemerkt, still und friedvoll, wie ihr Leben war. So gab sie es zurück in Gottes Hände.


 

"Wenn es dir gut tut, dann komm!"

(Franz von Assisi)